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Diabetes: Was Angehörige wissen müssen

16. September 2020

Vorbereitet für den Zucker-Notfall

16. September 2020

Diabetes: Was Angehörige wissen müssen

Vorbereitet für den Zucker-Notfall

Dank moderner Medizin können heute Menschen mit Diabetes gut mit ihrer Erkrankung leben. Trotzdem kann es immer wieder zu Blutzuckerentgleisungen kommen. In diesem Fall sollten nicht nur Betroffene selbst, sondern auch Angehörige gut vorbereitet sein, denn sie sind im Ernstfall meist als erste zur Stelle. Was Sie tun können und wie Sie am besten mit der Situation umgehen, erfahren Sie hier.

Unterzuckerung

Sinkt der Blutzuckerspiegel auf weniger als den Richtwert 50 mg/dl spricht man von einer sogenannten Hypoglykämie, also Unterzuckerung. Sie kann auftreten, wenn der Patient Insulin verwechselt (Basalinsulin und Bolusinsulin) oder doppelt spritzt. Auch Erbrechen, Durchfall oder hoher Alkoholkonsum können mögliche Auslöser sein. Hinzu kommen schwere körperliche Arbeit und zu geringe Nahrungsaufnahme, die dafür sorgen können, dass die Blutzuckerkonzentration unter den Normalwert sinkt.

Warnsignale erkennen

Viele Diabetiker bemerken eigene Anzeichen für Unterzuckerung nicht mehr, z.B. weil sie sich über Jahre daran gewöhnt haben. Bei dieser Wahrnehmungsstörung ist besondere Aufmerksamkeit der Angehörigen gefragt, die vor allem Verhaltensveränderungen leichter erkennen als Betroffene selbst. Manchmal reagieren Patienten unwirsch, wenn sie darauf angesprochen werden. Lassen Sie sich aber nicht beirren – Ihre Beobachtungen sind wichtig und hilfreich – und sehen Sie von Schuldzuweisungen ab.

Diese Anzeichen können auf eine Hypoglykämie hindeuten:

  • Aggressivität oder emotionale Labilität
  • Gestörte Grob- und Feinmotorik
  • Extreme Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit
  • Schwitzen
  • Zittern, Nervosität
  • Schwindel oder Herzklopfen
  • Kopfschmerzen
  • Heißhunger
  • Konzentrations- und Sehstörungen
  • Orientierungslosigkeit und Lähmungserscheinungen
  • Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit
Richtig Handeln

Bei einer leichten Unterzuckerung (40-60 mg/dl) kann es schon helfen, Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und so einen Schock abzuwenden. Sogenannte „schnelle“ Kohlenhydrate gehen rasch ins Blut und sind deshalb in dieser Situation besonders gut geeignet. Dazu gehören beispielsweise Traubenzucker, Limonade (nicht zuckerreduziert) oder Saft. Diese zeigen nach circa 15 Minuten ihre Wirkung. Dann sollte der Patient eine Kleinigkeit essen, um den Blutzucker zu stabilisieren.

Wenn Sie bei einem Diabetiker starke Warnsignale oder sogar Ohnmacht feststellen, ist schnelles Handeln erforderlich. Rufen Sie zuerst einen Notarzt. Bringen Sie falls nötig den Patient in die stabile Seitenlage und versuchen Sie nicht, ihm Getränke oder ähnliches einzuflößen, sonst besteht Erstickungsgefahr. Die meisten insulinpflichtigen Typ-1-Diabetiker bewahren eine Glukagon-Notfallspritze im Kühlschrank auf. Glukagon ist der Gegenspieler von Insulin und regt die Leber dazu an, seine Zuckervorräte auszuschütten und so schnell den Blutzuckerspiegel zu heben. Befolgen Sie die auf der Packung angebrachten Hinweise, mischen Sie die beiden beiliegenden Komponenten und setzen Sie die Spritze in den Muskel oder das Unterhautfettgewebe, beispielsweise am Oberarm oder Oberschenkel. Es gibt auch Glukagon-Nasensprays, das Sie dem Diabetiker wie ein gewöhnliches Nasenspray verabreichen können.

Nach dem Aufwachen sollte der Patient schnelle Kohlenhydrate zu sich nehmen und eine Kleinigkeit essen. Danach kontrollieren Sie alle 15 Minuten den Blutzuckerspiegel. In Folge einer schweren Unterzuckerung sollten Sie immer mit einem Arzt reden.

Für den Notarzt halten Sie folgende Informationen bereit: Notfallausweis des Patienten (meist in der Geldbörse) und Bezeichnung sowie Menge des zuletzt gespritzten Insulins. In bestimmten Fällen, z.B. nach ausgiebigem Alkoholkonsum oder Sport, kann es sein, dass die Glukagon-Notfallspritze nicht wirkt. Außerdem ist sie für Typ-2-Diabetiker nicht zugelassen, die noch eigenes Insulin produzieren. Warten Sie in diesem Fall auf den Notarzt, der den Patienten versorgen und zur Überwachung in eine Klinik einweisen wird.

Da solche Ernstfälle die Angehörigen schnell überfordern können, ist es ratsam, Vorkehrungen zu treffen. Informieren Sie sich, wo der Diabetiker Blutzuckermessgerät, Notfallausweis und Glukagon-Notfallset aufbewahrt und wie diese anzuwenden sind. Es kann auch helfen, im Alltag beispielsweise das Blutzuckermessen zu üben, um mit dem Umgang vertraut zu werden.

Überzuckerung

Der gegenteilige Fall einer Unterzuckerung ist die Hyperglykämie. Dabei liegen die Blutzuckerwerte weit über dem Normal, bei bis zu 240 mg/dl. Diese Überzuckerung entwickelt sich oft schleichend, über Stunden oder sogar Tage hinweg. Ursachen können erhöhter Insulinbedarf (z.B. in Folge einer Krankheit oder wegen bestimmter Medikamente), eine Unterversorgung mit Insulin (z.B. vergessene oder defekte Spritze, nicht gegessen etc.) oder eine sich entwickelnde Insulinresistenz sein.

Warnsignale erkennen

Da die Überzuckerung langsam kommt, werden Symptome oft nicht als solche wahrgenommen. Gerade Müdigkeit und Kraftlosigkeit können oft unterschätzt werden.

Weitere Anzeichen einer Überzuckerung sind:

  • Verstärkter Harndrang
  • Starker Durst
  • Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
  • Abnorm tiefe Atmung (wie eine Maschine)
  • Müdigkeit und Niedergeschlagenheit
  • Gewichtsverlust
  • Acetongeruch der Atemluft (wie säuerliches Obst)
  • Sehstörungen
  • Muskelschmerzen und Krämpfe
  • Verwirrung oder Bewusstlosigkeit
Richtig Handeln

Verständigen Sie in jedem Fall einen Arzt. Lassen Sie den Patienten nicht allein und achten Sie darauf, dass er viel trinkt und möglichst nicht einschläft. Halten Sie den Notfallausweis sowie Bezeichnung und Menge des zuletzt gespritzten Insulins bereit. In Folge der Behandlung sollten Sie analysieren, wie es zu dieser Situation kommen konnte und dazu alle Geräte (Blutzuckermessgerät, Insulin usw.) auf Ihre Funktion und Haltbarkeit prüfen.

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2020-10-14T13:35:48+02:00
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